„Besonnen, aber bestimmt“: Evangelischer Kirchenkreis Bonn setzt tiefgreifenden Spar- und Veränderungsprozess fort – Tagung Kreissynode

Insgesamt 1,3 Millionen Euro fehlen dem Evangelischen Kirchenkreis Bonn gemeinsam mit seinen noch zwölf Kirchengemeinden in den nächsten beiden Jahren im Haushalt. „Wir stehen vor den größten Veränderungen seit den 1960-er Jahren, erklärte Superintendent Dietmar Pistorius am Wochenende auf der Bonner Kreissynode, „aber wir werden sie gemeinsam gestalten, um als evangelische Kirche weiterhin wahrnehmbar und wirksam zu sein.“

Mit großem Zuspruch gewählt, Lisa Marie Appel (4.v.r.), und mit großem Dank verabschiedet, Barbara Kliesch (4.v.l.) auf der Bonner Synode mit Superintendent Dietmar Pistorius (Foto: J. Gerhardt)

Mit Jahresbeginn 2026 werden aus zwölf Kirchengemeinden im Kirchenkreis Bonn sieben und ab 2028 dann vier. Schon die nächste Synode im Sommer 2026 wird anders aussehen. Auch die Beratungen zu Fusion und Zusammenarbeit mit den Nachbarkirchenkreisen in Bonn und der Region sollen intensiv weitergehen.

Jede und jeder im Haus der Evangelischen Kirche konnte spüren: „Diese Synode ist eine Zäsur“, so Superintendent Pistorius. Und er sei „sehr dankbar, mit wie viel Ernsthaftigkeit und Gestaltungswillen unsere Synode diesen Prozess gerade annimmt“. Bemerkenswert einmütig wurde der Doppelhaushalt angenommen, für 2026 mit einem Defizit von 302.653 Euro und für 2027 von 247.359 Euro, gedeckt nur mit Rücklagenentnahme.

Laut Susanne Eichhorn, im Kreissynodalvorstand (KSV) zuständig für die Finanzen, schlagen neben den sinkenden Einnahmen vor allem die steigenden Personal- und Energiekosten ins Kontor. Die Krankenhausseelsorge, der Kirchenpavillon am Kaiserplatz und die Migrations- und Flüchtlingsarbeit sind nach Synodenbeschluss besonders im Blick. Erste erfolgreiche Einsparungen seien aber schon erreicht worden, betonte Susanne Eichhorn. Die Rücklagen im Kirchenkreis gäben noch Gestaltungsraum und -zeit. „Wir werden den Prozess besonnen, aber bestimmt fortführen.“

Einladung auf der Kreissynode zum Ökumenischen Adventskalender, jeden Tag im Advent 16 Uhr im Bonner Münster (Foto: J. Gerhardt)
„Mut zum Aufhören, auch um Neues anfangen zu können“

Dazu gab ein Vortrag der bayerischen Landespfarrerin Gudrun Scheiner-Petry, Gemeindeberaterin und Expertin für den Umbau von Kirchenorganisationen, am Samstagmorgen Impulse für die 71 gewählten Vertreterinnen und Vertretern aus den Kirchengemeinden in Bonn, Alfter und Bornheim. Ihr Leitwort ist „Exnovation“. Unter dem Motto „Weniger ist gut“ gab sie das Ziel aus, sich von liebgewonnenen, aber nicht mehr zeitgemäßen Dingen mit Würde zu verabschieden. Vor allem auch, um Gestaltungsmöglichkeiten zu gewinnen. „Wir brauchen Mut zum Aufhören, auch um Neues anfangen zu können.“

Niels Wey, Pfarrer an der Apostelkirche in Tannenbusch, hatte zuvor schon in seiner mit Applaus versehenen Andacht daran erinnert, dass der Auftrag Jesu „an uns alle nicht ist, Rücklagen zu sichern und Gebäude zu bauen, sondern immer wieder neu auf die Menschen zuzugehen“.

„Für Demokratie, Vielfalt und Klimagerechtigkeit“

Das soll in Bonn und der Region auch weitergeschehen mit Gottesdiensten und Seelsorge und der christlichen Haltung, sich „für Demokratie, Vielfalt und Klimagerechtigkeit“ einzusetzen. Pfarrerin Anne-Kathrin Quaas, Leiterin des Evangelischen Forums, und Annika Bohlen, Projektmanagerin für Klimagerechtigkeit des Kirchenkreises, brachten „Handlungsempfehlungen“ für alle Gemeinden ein, die aus einem Workshop-Prozess mit vielen weiteren Kooperationspartnern im letzten Jahr entstanden sind und nun mit Zustimmung der Synode weiterverbreitet werden sollen.

Vorfreude: Einstimmung auf den großen Evangelischen Kirchentag 2027 in Düsseldorf (Foto: Kirchenkreis Bonn)

Synodalen Rückenwind im Kirchenparlament auch für den Gebäudebedarfsplan mit dem Ziel bis 2035 mit allen Gebäuden der Kirche treibhausgasneutral zu sein. Aber auch das eine echte Herausforderung. Denn bis zur Herbstsynode 2027 müssen alle Gemeinden laut landeskirchlicher Vorgabe entschieden haben, welche Gebäude sie behalten wollen. Das heißt für viele Gebäude nachdenken über alternative Nutzungen, mit Partnern im Stadtteil und sinnvollerweise auch mit der katholischen Kirche.

Im Sommer steigt auch in Bonn die Einladung für „Einfach heiraten“ für alle interessierten Paare – hier Werbung auf der Kreissynode (Foto: J. Gerhardt)
Gewählt: Lisa Marie Appel neu im Kreissynodalvorstand

Gewählt wurde auch. Lisa Marie Appel (31) aus Bonn-Kessenich wurde nahezu einstimmig als stellvertretendes Mitglied neu in den KSV gewählt. Die Lehrerin am evangelischen Amos-Comenius-Gymnasium in Bad Godesberg warb mit Leidenschaft für eine evangelische Kirche, die „nicht von Sparzwängen getrieben ist, sondern sich von Hoffnung tragen lässt“. Sie ist Nachfolgerin für Barbara Kliesch von der Hardtberg Kirchengemeinde, vielfach aktiv und zehn Jahre lang im KSV – auch dafür viel dankbaren Applaus.

Jahresbericht von Superintendenten Pistorius zum Download

Nach dem Auftakt der Synode mit einem berührenden Gottesdienst der Evangelischen Studierendengemeinde Bonn (ESG) mit Pfarrer Michael Pues und Studierenden am Freitagabend in der Schlosskirche über „Kraft, Liebe und Besonnenheit“ hatte Superintendent Pistorius seinen Jahresbericht vorgetragen (Supbericht_2025). Unter anderem  mit dem Versprechen, dass die evangelische Kirche weiterhin in einer immer weiter polarisierenden Gesellschaft für mehr Gemeinschaft eintreten werde.

(15.11.2025 / J. Gerhardt)

Berührender Gottesdienst zum Auftakt Synode mit dem starken Chor der Bonner ESG (Foto: J. Gerhardt)
  • 15.11.2025
  • Red
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