Mit der Studierendengemeinde, Diakonie und Kirchenmusik - Kreissynode Bonn zur Zukunft evangelischer Kirche in Bonn und der Region

  • 30.05.2026

Entschlossen und voller Zuversicht hat die Kreissynode Bonn am Samstag die ersten Weichen gestellt, zumindest wichtige Wege vorgezeichnet für die Zukunft der evangelischen Kirche vor Ort in der Stadt und Region.

Starke Präsenz auf der Bonner Synode: Studierende der ESG Bonn (Foto: J. Gerhardt)

Das Kirchenparlament stimmt am Samstag im Haus der Evangelischen Kirche Bonn einstimmig dafür, gemeinsam mit der Studierendengemeinde ESG Bonn bis Ende 2027 eine Zukunft der ESG als Gemeinde des Kirchenkreises zu erarbeiten. Die Landeskirche hatte beschlossen, die eigene Trägerschaft aus finanziellen Gründen abzugeben, sich aber noch an der Finanzierung dauerhaft zu beteiligen. Auch für das Wohnheim, substanzieller Bestandteil der ESG-Arbeit in Bonn, soll ein Trägermodell entwickelt werden, im besten Fall ebenfalls bis Ende 2027.

„Die ESG ist ein lebendiger Teil unserer Kirche und wir wollen sie erhalten“, betont Superintendent Dietmar Pistorius unter großem Zuspruch der Synode. Schon jetzt sitzen Vertreter der ESG auch in der Bonner Kreissynode mit Stimmrecht, Ausdruck des engen und vertrauensvollen Miteinanders. „Wir können weiter sehr von einander profitieren“, ist sich Pistorius sicher.

Kreissynode Bonn: Beraten und Kirche leiten mit dem Kreissynodalvorstand (Foto: Gerhardt)
Eckpunkte für die Zukunft der Kirchenmusik bis Herbst

Auch die Kirchenmusik erhielt Wertschätzung, für den Gottesdienst wie für das Kulturleben in Stadt und Land: „Musik bindet und verbindet Menschen“, betonte Kreiskantor Johannes Pflüger. Bis zur Kreissynode im November sollen „Eckpunkte für die Zukunft der Kirchenmusik“ in allen Kirchengemeinden beraten und dann in der Synode beschlossen werden. Auch mit der Frage, wie sinnvoll eine gemeinsame Personalplanung im ganzen Kirchenkreis sein könnte.

Schmerzhafter Einnahmerückgang bis zu 20 Prozent bis 2030

Das alles aber eben vor dem Hintergrund, dass die Haushalte in allen Kirchengemeinden und dem Kirchenkreis durch Kirchenaustritte und demografische Entwicklung schon jetzt mit fast zwei Millionen Euro in den roten Zahlen stehen und nur durch Rücklagenentnahme zu decken sind. „Im noch günstigsten Fall müssen wir bis 2030 mit 15 bis 20 Prozent Einnahmenrückgang vor allem von Kirchensteuern und bis 2035 sogar mit 30 bis 35 Prozent rechnen“, machte Susanne Eichhorn vom Kreissynodalvorstand (KSV) die Entwicklung einmal mehr sehr offen und transparent. Mit Verve warb sie dafür, den Prozess der notwendigen Veränderungen gemeinsam zu gestalten. Das heißt für sie auch „mit Leidenschaft, neue Finanzquellen auftun und neue Mitglieder gewinnen“.

Was sind die Prinzipien, die evangelisches Handeln leiten: viele Impulse auf der Bonner Kreissynode (Foto: J. Gerhardt)
Was ist noch zu leisten? Drei Grundfragen können helfen

Was kann und möchte sich die evangelische Kirche in Bonn und der Region künftig noch leisten? Dazu gibt es ab sofort drei Leitfragen: Warum, wie und was? (Why, How und What), die KSV-Mitglied Andreas  Einig, der schon viel berufliche Erfahrung unter anderem in Veränderungsprozessen im Gesundheitswesen hat, sehr anschaulich einbrachte. Die Prinzipien sollen sicherstellen, dass evangelische Kirche weiterhin „wahrnehmbar und wirksam bleibt“, Doppelstrukturen vermeidet und vielleicht sogar „an Profil noch einmal gewinnen kann“, so Andreas Einig. Also: „Was macht evangelische Kirche als Kirche von Jesus Christus aus und was brauchen die Menschen wirklich“, fragte Einig und warb dafür, sich ehrlich zu machen im Blick auf die Arbeitsfelder von Kirche.

Zukunft gemeinsam mit der Diakonie und in der ganzen Region

Wichtig bleibt dabei, keine Frage für die 71 gewählten Vertreterinnen und Vertreter aus den sieben Gemeinden des Kirchenkreises, die Diakonie zum Beispiel. Hier soll nach Wunsch der Synode und des Diakonischen Werks Bonn und Region das Miteinander weiter gestärkt werden, auch in neuen Formaten der Kooperation. Für die Zukunft der drei Kirchenkreise in Bonn und der Region beauftragte die Kreissynode den KSV mit den Vorständen der Kirchenkreise An Sieg und Rhein und Bad Godesberg-Voreifel das Gespräch zu forcieren, mit dem Ziel „bis 2028 ein gemeinsames Zielbild für die zukünftige Zusammenarbeit und die passende Organisationsform“ zu haben. Die Organisation soll möglichst 2030 konstituiert und mit den Presbyteriumswahlen 2032 abgeschlossen werden.

Für mehr nachhaltige Beschaffung und Kirchenasyl

Das Kirchenparlament unterstützt zudem mit großer Mehrheit eine „Leitlinie für eine ökologische, faire und soziale Beschaffung im Kirchenkreis wie in allen Kirchengemeinden“ und bekräftigte zudem die Möglichkeit des Kirchenasyls für besondere Notfälle durch die Kirchengemeinden vor Ort auch weiterhin. Zum komplexen Thema Kirchenasyl wandert derzeit auch eine Informations-Ausstellung durch Bonn (siehe hier).

Antrittsbesuch: Bonns OB Guido Deus erhält von Superintendent Dietmar Pistorius ein Buch über die Arbeit der Notfallseelsorge (Foto: Gerhardt)
OB Guido Deus würdigt Arbeit der Kirchen in Bonn für das Miteinander

Zum Auftakt der Synode hatte der Bonner Oberbürgermeister Guido Deus seinen Antrittsbesuch und würdigte ausdrücklich die Arbeit der Kirchen in Bonn. „Der Staat lebt vom Miteinander und von Menschen, die Verantwortung übernehmen und da wirkt die Kirche auch in Bonn weit über sich hinaus.“ Gerade die evangelische Kirche nehme er als Ort wahr, in der Menschen sehr unterschiedlicher Meinungen zusammenkommen und das gut miteinander gestalten“. So stifteten die Kirchen viel Gemeinschaft wie jüngst in der Reihe gegen Einsamkeit oder alle zwei Jahre bei der Bonner Kirchennacht wunderbar zu erleben. Dabei auch zu erleben, „wie zutiefst christlich unsere Stadt geprägt ist.“

Neu in den KSV gewählt: Pfarrerin Dr. Annette Schmitz-Dowidat
Herzliche Anerkennung für so engagierte Mitarbeit in vielfacher Hinsicht: Superintendent Dietmar Pistorius (Mitte) dankt Dieter Romünder, Leiter der Verwaltung Superintendentur, Pfarrerin und Scriba Dagmar Gruß (2.v.l.) und Pfarrer Dieter Katernberg (r.), die alle in den Ruhestand gehen sowie der neu gewählten Scriba Pfarrerin Dr. Annette Schmitz-Dowidat (2.v.r.) / (Foto: J. Gerhardt)

Schon Pfarrerin Dagmar Gruß und Scriba im Kirchenkreis hatte bei ihrer Andacht zum Auftakt der Synode, die zugleich ihre letzte Synode war, geistlich daran erinnert: „Jeder Kirchturm in Stadt oder Dorf ist ein Hochsitz der Menschlichkeit.“ Aufgabe der Kirche Christi sei „Gott loben, das Recht ehren und Gesicht zeigen“. Als ihre Nachfolgerin, wenn Pfarrerin Gruß Anfang September in den Ruhestand geht, wurde Pfarrerin Dr. Annette Schmitz-Dowidat gewählt, Krankenhausseelsorgerin am Universitätsklinikum Bonn. Sie ist damit zweite Stellvertreterin des Superintendenten.

(30.05.2026 / J. Gerhardt)

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