Landessynode 2022: Bonner Stimmen und Eindrücke

  • Joachim Gerhardt

Versierte Theologin: Pfarrerin Dr. Wibke Janssen (Foto: Kirchenkreis Bonn / M. Böschemeyer)

Bonner Theologin Wibke Janssen wird Oberkirchenrätin für Theologie und Ökumene der rheinischen Landeskirche

Die Bonner Pfarrerin Dr. Wibke Janssen (56) ist am Donnerstag auf der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland zur Oberkirchenrätin und Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene im Landeskirchenamt gewählt worden. gleich im ersten Wahlgang mit vier Kandidaten/innen mit großer Mehrheit. Sie wird Nachfolgerin der Theologin Barbara Rudolph, die in den Ruhestand geht. Die Wahl gilt auf acht Jahre, Wiederwahl möglich. Pfarrerin Janssen, gebürtig aus Ostfriesland, lehrt in Bonn evangelischen Religionsunterricht an der erzbischöflichen Liebfrauenschule in der Südstadt und ist Skriba im Kreissynodalvorstand des Evangelischen Kirchenkreises Bonn. Die versierte Theologin ist auch Vorsitzende des Theologischen Ausschusses der Landeskirche.

Der Bonner Superintendent Dietmar Pistorius gratuliert herzlich

Der Bonner Superintendent Dietmar Pistorius erklärt: „Mit Dr. Wibke Janssen hat die Landessynode eine hervorragende Theologin, eine weitherzige Seelsorgerin und eine interessierte Zeitgenossin in die Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland gewählt. Ich bin überzeugt, dass sie mit kritischem Blick, Mut und Entschlossenheit, aber auch mit Humor und Fröhlichkeit die Herausforderungen des neuen Amtes und der Kirche angehen wird. Dabei werden ihre Arbeit als Seelsorgerin in Krankenhaus, Notfallseelsorge und Schule sowie als Skriba in der Leitung des Kirchenkreises für die notwendige Bodenhaftung, Ihre Theologie und ihre Frömmigkeit für die wünschenswerte Weite sorgen.

Der Kirchenkreis Bonn gratuliert Dr. Wibke Janssen sehr herzlich und wünscht Ihr Gottes Segen. Ihr Weggang aus Bonn wird ein Verlust für den Kirchenkreis sein. Allerdings können wir sie in rheinischer Gelassenheit auch ziehen lassen: Man muss schließlich auch gönnen können!“

Unter den ersten Gratulationen auch die Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Almut van Niekerk: „Wir kennen die zukünftige Oberkirchenrätin gut aus der konkreten Zusammenarbeit und freuen uns sehr über die Wahl von Frau Dr. Janssen. Wir schätzen sie als kluge Theologin und engagierte Vertreterin unserer Kirche. Ihre Expertise im Bereich der Leitung kennen wir aus den vielfältigen Berührungspunkten mit dem Kreissynodalvorstand Bonn und dem Kuratorium des gemeinsamen Schulreferats. Die Bedeutung von Verkündigung auch außerhalb von Ortsgemeinde wird sie sicher in ihr neues Amt mitnehmen.“

Hier eine erste Zusammenfassung der Landessynode 2022 der Evangelischen Kirche im Rheinland (ekir): synode.info Landessynode 2022

Bonner Stimmen von der Synode 2022

Hier lesen Sie weitere persönliche Eindrücke, erste Bilanzen und Blitzlichter von den Bonner Synodalen von  der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland: der Bonner Superintendent Dietmar Pistorius, Scriba Pfarrerin Dr. Wibke Janssen sowie die Laienvertreterin und Vertreter Dorothea Geffert (Kirchengemeinde Vorgebirge)  und Geschäftsführer der Diakonie Bonn und Region Ulrich Hamacher (Kreuzkirchengemeinde), die berufenen Synodalen Dr. Gerd Landsberg (Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes) und Fiona Paulus (Jugenddelegierte) sowie Wolfgang Albers (Kirchenleitung und Mitglied der Trinitatiskirchengemeinde Bonn-Endenich).

Zur Seelsorge, dem großen Thema der Landessynode 2022, gibt es viele anregende Videos, unter anderem auch mit dem Bonner Studierendenpfarrer Michael Pues. Unser Tipp zum Thema, schauen Sie mal rein: https://www2.ekir.de/inhalt/seelsorge-videos-und-bildmotive/

Dorothea Geffert: „Forsche evangelische Jugend“

Dorothea Geffert, Landessynodale aus Bornheim (Foto privat)

Auch für Dorothea Geffert, Synodale des Kirchenkreises Bonn aus der Kirchengemeinde Vorgebirge, war es „leider wieder nur eine Online-Tagung … Aber wir haben das Beste daraus gemacht, und es gab auch „Seitengespräche“ unter uns Bonnern in einer Messengerdienstgruppe und abendlicher Austausch in der Online-Kneipe! Not macht erfinderisch!

Gut gefiel mir die forsche Entgegnung der Evangelischen Jugend zum Positionspapier „E.K.i.R. 2030“ der Kirchenleitung. Spätestens nach der souveränen Sitzungsleitung des nebenamtlichen Kirchenleitungsmitglied Lukas Schrumpf (28 Jahre) am Donnerstagvormittag ist die Jugend voll in der Landessynode angekommen und akzeptiert. Heute haben wir zum wiederholten Mal die Aufhebung der Altersgrenze für Presbyteriumsmitglieder abgelehnt. Richtig so, auch wenn es im Einzelfall sehr schade ist! Wir Älteren sollten beizeiten Platz machen für Jüngere – die Zukunft unserer Kirche!“

Gerd Landsberg: Zentrale Themen wie Seelsorge, die ökologische Transformation und Engagement an den EU-Außengrenzen

Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. (Foto: dstgb.de)

Hier schon erste Erwartungen des Synodalen Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, aus Bonn: „Die Synode greift zentrale Themen wie Seelsorge, die ökologische Transformation und das Engagement an den EU-Außengrenzen auf. Die gut vorbereiteten Beratungen werden sicher spannend. Das was Kirche und Gemeinschaft ausmacht, das präsente Miteinander kann leider – wegen Corona – nicht stattfinden. Hoffen wir, dass es nächstes Jahr besser wird, denn die persönliche Begegnung ist durch nichts zu ersetzen.“

Zum Auftakt findet Dr. Gerd Landsberg die Tagung der Synode „wie immer auch digital geprägt von sehr freundlichem Umgang, auch wenn man unterschiedlicher Auffassung ist“. Zum Schwerpunktthema Seelsorge, zu dem Gemeindemitglieder am Montag ihre Erfahrungen und Erwartungen an die Seelsorge vortragen, schreibt Gerd Landsberg: „Seelsorge beginnt nicht erst wenn die Seele krank wird , sondern viel früher. Seelsorge als Pflege der Gefühle im Alltag sowohl der guten wie der schwierigen. Wir müssen genau da ansetzen, die Seelsorge muss den Menschen in ihrem Alltag begegnen und nicht allein im Gottesdienst.“

Der Bonner Superintendent Dietmar Pistorius von der Landessynode 2022 zur Bedeutung von Seelsorge für die Gesellschaft

Superintendent Dietmar Pistorius: „Wie wichtig sind Beratung und Seelsorge, nahe bei den Menschen“

Dietmar Pistorius, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Bonn, auch zum Thema Seelsorge: „Sie unterschätzen das! Die Gesellschaft unterschätzt das!“ – Mit diesen Worten hat heute Vormittag Innenminster Reul vor der Landessynode den Wert der Seelsorge unterstrichen. Es ist gut, dass wir mit dieser Synode in den Blick nehmen, was uns als Kirche in besonderer Weise ausmacht: Dazusein für die Menschen, die ein Ohr und ein Wort brauchen, um in dieser oder jener Lebenssituation wieder auf die Füße zu kommen. Das Besondere und Unverwechselbare der Seelsorge – und da unterscheiden wir uns zum Beispiel von Psychotherapie und Beratung – ist, dass bei diesem Gespräch Gott immer schon dabei ist. Das verändert alles: Vor Gottes Angesicht können wir nur auf Augenhöhe reden; da gibt es kein Gefälle von Therapeut und Klient. In Gottes Gegenwart gibt es Erlösung oder Heil-werden nur als Gnade, nicht aufgrund von Anstrengung und Lebensleistung; ein erfolgreich therapierter Mensch wird „entlassen“, die Seelsorge aber zielt darauf, dass ein Mensch „aufgenommen wird“. Wie gut, dass wir in unserer Gesellschaft Therapie und Beratung ausgebaut werden! Wir brauchen sie gut ausgebaut und leicht zugänglich und ohne Stigmatisierung der Menschen, die sie in Anspruch nehmen.

Aber wie gut auch, dass daneben die Seelsorge ihren ganz eigenen Wert hat, der gerade da erfahrbar wird, wo Menschen an die Grenzen des Menschen möglichen stoßen. Als Evangelische Kirche sind wir mit beidem: Beratung und Seelsorge, nahe bei den Menschen – und das sollten weder Kirche noch Gesellschaft unterschätzen.

Kirchenleitungsmitglied Wolfgang Albers: „Stille Arbeit der Seelsorge mehr ins Licht rücken“

Wolfgang Albers (Foto: Archiv KK Bonn)

Wolfgang Albers, der Jurist und langjährige Polizeipräsident ist Mitglied der Kirchenleitung, berichtet: „Synode zu Coronazeiten bedeutet wieder stundenlang vor den Kacheln setzen, mit schmerzendem Rücken und „dicken Augen.

Eine besondere Herausforderung in der Vorbereitung war natürlich, das Schwerpunktthema „Seelsorge“ digital gerecht einzubringen. Und es ist doch gut gelungen. Zahlreiche Filmbeiträge zeigten uns die gesamte Breite seelsorgerische Arbeit in unserer Landeskirche. Die Fachreferate hatten höchstes Niveau und Glanzpunkte waren die Andachten, die uns in eine Justizvollzugsanstalt eine Beratungsstelle ein Studentenwohnheim und eine Feuerwache führten und so die Seelsorge engen mit der Verkündigung des Evangeliums verbanden. So präsentierte sich die häufig stille Arbeit der Seelsorge trefflich.

Die Beratungen in den Fachausschüssen, in denen die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer überschaubar ist, lässt sich wohl auch gut online gestalten. Der Ausschuss für Kirchenordnung und Rechtsfragen (KO) hatte zwar wie immer ein strammes Programm, in dessen Mittelpunkt so trockene Fragen wie die Neuorganisation der Rechnungsprüfung standen, trotz alledem konnte er dieses Mal seine Arbeit noch Anführungszeichen im hellen, sprich gegen Nachmittag erfolgreich abschließen. Das ist für diesen Ausschuss, der gelegentlich bis tief in die Nacht arbeiten muss, eine Premieren, die auch der konsequenten Leitung zu danken ist.

Es bleibt die Hoffnung, im Januar 2023 wieder präsent zu tragen – wo auch immer“, so Wolfgang Albers, Mitglied der Trinitatiskirchengeminde Bonn-Endenich.

Bonner Diakonie-Chef Ulrich Hamacher: „Treibhausgasneutralität – die Evangelische Kirche stellt sich der Herausforderung“

Ulrich Hamacher, Geschäftsführer der Diakonie Bonn und Region (Foto: privat)

„Der Klimawandel muss aufgehalten werden. Die Landessynode hat dazu heute zwei Beschlüsse gefasst. In einem stellt sich die evangelische Kirche im Rheinland der Aufgabe, bis 2035 treibhausgasneutral zu werden“, berichtet der Bonner Syodale Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn und Region.

Zum Beispiel geht es, so Hamacher, „um mehr als 5.500 Gebäude. Das ist eine echte Herausforderung, dazu wird sehr viel Geld investiert werden müssen. Das wird auch für die (überwiegend ehrenamtlichen) Leitungsorgane eine Riesenaufgabe.

Die Selbstverpflichtung wird ergänzt durch Sofortmaßnahmen und die Absicht, in 2022 eine Strategie zur Erreichung des Ziels zu entwickeln. Dabei ist für uns klar: Wir werden sowieso nicht um die Aufgabe herum kommen. Auch wenn wir jetzt keine derartigen Beschlüsse fassen würden. Also schien es uns besser, das aktiv und organisiert in Angriff zu nehmen als sich von der gesellschaftlichen Entwicklung treiben zu lassen.

Im zweiten Beschluss wird festgehalten, dass die Frage der sozialen Gerechtigkeit nicht vernachlässigt werden darf. Ein Beispiel dafür: Wenn die Gesellschaft insgesamt auf entsprechende Ziele zugeht, wie es die neue Bundesregierung ja vor hat, muss den finanziell Benachteiligten geholfen werden Schon jetzt wissen viele Menschen nicht , wie sie ihre Strom- und Heizkosten bezahlen sollen.

Darüber hinaus geht es aber um viel mehr: um Generationengerechtigkeit und um die ganze Welt. Das Thema wird weiter diskutiert werden, und wir werden Positionen dazu erarbeiten. Die Diskussionen waren wie zu erwarten kontrovers, aber am Ende wurden beide Beschlüsse mit Mehrheiten von deutlich über 90% gefasst“, bilanziert Ulrich Hamacher.

Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Der Bonner ist berufenes Mitglied der Landessynode (Foto: dstgb.de)

Dr.  Landsberg: „Altersgrenze für die Wahl zur Presbyterin/zum Presbyter abschaffen“

Dr. Gerd Landsberg äußert sich hier (vom 18.01.2022) zur Altersgrenze für die Wahl zur Presbyterin/zum Presbyter in der Rheinischen Landeskirche, die seiner Meinung abgeschafft werden sollte: „Der demografische Wandel (weniger junge, mehr alte Menschen) schreitet voran. Er bewirkt schon jetzt in Politik und Wirtschaft die Anerkennung der Leistungsfähigkeit und des Leistungswillens von Personen jenseits des 65. Lebensjahres. In den meisten Bundesländern ist die Altersgrenze zum Beispiel für die Wahl zum Bürgermeister/in längst gefallen. Für Bundesminister/innen und Kanzler/innen gibt es ebenfalls keine Altersbeschränkungen. Adenauer war noch mit über achtzig Jahren Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Warum sollte für eine Presbyterin oder einen Presbyter etwas anderes gelten? Zumal die Zahl der Bewerber/innen für ein solches Amt ohnehin so gering ist, dass häufig gar keine Wahl stattfinden kann. Wenn jemand aufgrund seines Alters nicht mehr in der Lage ist, sein Amt auszuüben, ist es gutes Recht und Pflicht der Kolleginnen und Kollegen, ihm das zu verdeutlichen. Im Übrigen sollte man auf die Wähler/innen vertrauen.“

Die Landessynode tagt vom 16.-20. Januar 2022 digital.

Alles Infos: www.ekir.de

Während der Tagung der Landessynode vom 16. bis 20. Januar gibt es auf der Internetseite www.ekir.de/landessynode  neben Livestreams (zum Teil mit den erwähnten Übersetzungen) von allen öffentlichen Sitzungen auch aktuelle Berichterstattung.