Danke sehr für sein weltweites Engagement: Pfarrer Helmut Müller in den Ruhestand verabschiedet

„Vielfalt ist unser größter Schatz.“ Mit diesem Satz ging Pfarrer Helmut Müller, Regional-Pfarrer der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) für den Raum Köln-Bonn, am Sonntag mit einem Festgottesdienst in der Bonner Friedenskirche in den Ruhestand. Anne-Christina Achterberg berichtet bewegt:

Ganz viele herzliche Verabschiedungen (Foto: Anne-Christina Achterberg(

Was am Pfingstsonntag in der Friedenskirche Bonn spürbar wurde, war mehr als ein Gottesdienst. Es war ein lebendiges Zeichen dafür, was Kirche sein kann: ein Raum, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten zusammenkommen – nicht trotz ihrer Unterschiede, sondern gerade durch sie verbunden. Eine Kirche voller Menschen. Unterschiedliche Sprachen, Lebenswege, Erfahrungen – und doch ein gemeinsames Feiern, ein gemeinsames Vertrauen, ein gemeinsames Hoffen. Die Sehnsucht nach Frieden, nach Begegnung, nach einem Miteinander, das trägt. Und die Erfahrung: Wir reden darüber nicht nur – wir leben es.

Musik, die verbindet

Diese Atmosphäre wurde von der Musik getragen, die den gesamten Gottesdienst durchzog. Die Marimba Gruppe „Karibu Sounds of Marimbas“ eröffnete den Raum mit ihren warmen, rhythmischen Klängen, der Kisuaheli-Chor unter der Leitung von Obadia Mwaipaja ließ Stimmen aus verschiedenen Kontinenten zusammenklingen. Immer wieder verband sich alles im gemeinsamen Gesang – Grenzen lösten sich auf, Stimmen fanden zusammen. „Tusimwache mtu nyuma“ von Rise’n’Shine – Lasst keinen Menschen zurück. Dieser Ruf wurde mehr als ein Lied. Er wurde zur Haltung. Zur gemeinsamen Sprache dieses Gottesdienstes.

Auch Lieder wie „Mungu ni pendo – Gott ist die Liebe“ machten hörbar, was diesen Tag getragen hat: eine tiefe, gelebte Überzeugung, dass Gemeinschaft möglich ist – über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.

Ein Predigt zum Nach- und Weiterdenken: Pfarrer Helmut Müller in der Friedenskirche (Foto: Anne-Christina Achterberg)

Zum Hintergrund

Der internationale Pfingstgottesdienst fand am 24. Mai 2026 in der Friedenskirche Bonn statt. Gefeiert wurde er gemeinsam von der Friedenskirchengemeinde, der Swahili-Gemeinde und dem Regionalen Dienst der Vereinten Evangelischen Mission unter dem Thema „Verständigung – Understand one another“.

In diesem Rahmen wurde Pfarrer Helmut Müller feierlich von Almut van Niekerk, Superintendentin des Kirchenkreises an Sieg und Rhein, und vielen Weggefährtinnen und Weggefährten aus seinem Dienst verabschiedet. Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet u.a. von der Marimba Gruppe Karibu Sounds of Marimbas, dem Kisuaheli-Chor in Zusammenarbeit mit der Band Rise’n’Shine und einer generationsübergreifenden Kantorei der Friedenskirchengemeinde.

Gemeinsame Werte, die tragen

Was diesen Abschied und die Entpflichtung aus dem aktiven Dienst so besonders machte, waren nicht nur Worte, sondern eine spürbare Übereinstimmung in den Werten:
Wir stehen gemeinsam ein für Frieden und verlernen, Krieg zu führen.
Wir glauben an Begegnung.
Wir setzen uns für ein gerechtes Finanz- und Wirtschaftssystem ein.
Wir sehen Vielfalt als Stärke.

Und: Wir begnügen uns nicht damit, darüber zu sprechen – wir gestalten Kirche und Gesellschaft aktiv als Ort dieser Vielfalt.

Genau das hat Helmut Müller in seinem Berufsleben verkörpert. Hierarchien abbauen, Menschen auf Augenhöhe begegnen, Räume öffnen für globale Solidarität – und immer wieder daran erinnern, dass Verständigung möglich ist.
Seine Predigt nahm diese Realität ernst: die Spaltungen, die Ängste, die Herausforderungen unserer Zeit. Und gleichzeitig setzte sie einen anderen Ton dagegen – Hoffnung, die nicht naiv ist, sondern getragen von der Kraft des Heiligen Geistes.
Eine Kraft, die nicht trennt, sondern verbindet. Die nicht entmutigt, sondern stärkt. Die Menschen zusammenführt.

Dass Verständigung kein Automatismus ist, sondern eine Aufgabe – das klang ebenso an wie die Überzeugung: Sie ist möglich.

Stimmung und viel Musk: Abschiedsgottesdienst für und mit Pfarrer Helmut Müller (Foto: Anne-Christina Achterberg)

Ein Abschied, der verbindet

So war dieser Gottesdienst kein Abschluss im klassischen Sinn, sondern ein Übergang. Ein Moment des Dankes – und gleichzeitig eine Einladung, das weiterzutragen, was gewachsen ist.

In der Begegnung.
Im Engagement für Frieden und Gerechtigkeit.
In einer Kirche, die Vielfalt nicht nur aushält, sondern lebt und feiert.

Und vielleicht bleibt am Ende genau das Bild: Menschen, die gemeinsam singen, lachen, beten – getragen von der Überzeugung, dass niemand zurückgelassen werden soll.

(27.05.2026 / Anne-Christina Achterberg / ger)