„Da simmer dabei! Dat is prima! Viva Colonia!“ – So ist es. Nichts erwärmt in diesen Tagen die Seele mehr als das gemeinsame Singen.
„Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust.“ Wie geht´s weiter? Genau: „Wir glauben an den lieben Gott und han auch immer Durst.“ Dieser kölsche Durst ist vor allem die Sehnsucht nach Gemeinschaft. Großartig, und so wichtig in unserer zerrissenen Gesellschaft.
Ich liebe dieses Höhner-Lied. Und es erinnert an die christlichen Wurzeln des Karnevals. „Fastelovend“, hochdeutsch „Fastenabend“ ist im Ursprung die Einstimmung auf die sieben Wochen Fasten- und Passionszeit bis Ostern. Das darf gefeiert werden.
Übrigens auch evangelisch, das möchte ich betonen. In Bonn dieses Jahr mit der Jubiläumssession „200 Jahre Bönnscher Fastelovend“ und der Erinnerung: Es war der Freiheitskämpfer Gottfried Kinkel, der nicht nur die protestantische Gemeinde hier mitgegründet hat, sondern sich auch leidenschaftlich gegen die staatliche Zensur für den Rosenmontagszug einsetzte. Mit Erfolg! Alaaf!
Stolz würde Kinkel mit den Bläck Fööss und uns allen heute einstimmen: „Su simmer all he hinjekumme, mir sprechen hück all dieselve Sproch. Mir han dodurch su vill jewonne. Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing, dat es jet, wo mer stolz drop sin.“
Ja, Karneval verbindet. Nicht nur auf den großen Sitzungen und Zügen, sondern auch wenn bei uns Prinz & Bonna im Altenheim, in der Bahnhofsmission, im Hospiz zu Besuch kommen – Gänsehaut pur – und wir spürbar dankbar singen: „Ich bin Grieche, Türke, Jude, Moslem un Buddhist, mir all, mir sin nur Minsche, vür’m Herrjott simmer jlich.“ Joachim Gerhardt
Geistlicher Impuls

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressepfarrer des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das „Wort zum Sonntag“ in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de
(Text erscheint am 14.02.2026)

