Wort zum Sonntag: Im Straßenverkehr

Zwei Autos kommen in der Baustelle an einen Engpass, an dem nur eines fahren kann. Wer fährt zuerst?

Ich denke spontan: Ich. Denn ich war ein klein wenig früher, und das ist ja entscheidend, vor Ort. Also zu Recht. – Doch der andere fährt einfach los. Rücksichtslos. Ich brodele innerlich. Denn es passiert immer wieder und immer häufiger. Die allseits angespannte Stimmung in unserer Gesellschaft scheint sich gerade auch im Straßenverkehr auszufahren. Es wird ruppiger und härter.

Wie geht es am besten weiter: eine Frage nicht nur in der Baustelle auf der Straße (Foto: EKK Bonn)

Was haben diese Gedanken im „Wort zum Sonntag“ zu suchen? Die Bibel sagt nichts zur Straßenverkehrsordnung und der Pfarrer nimmt Gott sei Dank auch keine Führerscheinprüfung ab.

Doch dann denke ich an dieses Bibelwort: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ Jesus hat das gesagt in seiner Bergpredigt (Matthäus 7,12). Im Foyer der Vereinten Nationen ist dieser Satz sogar als Mosaik verewigt und außen herum sind Menschen abgebildet aus allen Kulturen friedlich beieinander. Ein Hinweis, dass religiöse Weisheit und Erkenntnis nicht nur im privaten Kämmerlein Bedeutung haben, sondern auch für die ganze Weltgesellschaft.

Die eingangs geschilderte Straßenszene hat sich wenig überraschend schon Tag drauf an anderer Stelle ganz ähnlich wiederholt. Ich habe dieses Mal eine Sekunde innegehalten, dann meinem Gegenüber mit einer Geste durch die Windschutzscheibe gesagt: „Komm, fahr Du.“

Er fuhr vorbei, schaute und winkte freundlich. – Ich bin dann mit einem richtig guten Gefühl weitergefahren und ich glaube, die andere Person auch.
Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau

Geistlicher Impuls

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressepfarrer des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das „Wort zum Sonntag“ in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de


(Text erscheint am 09.05.2026)